Von den Heiligen Frauen zu den drei Kreuzen – Dreimal auf Holz klopfen

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Das Wissen der Alten spricht zu uns durch Tempel und Steinsetzungen, zeigt sich in Festtagen und Redewendungen. Eine weitere Quelle des Wissens ist in Holz gefasst: Bei den Fahrten und Wanderungen im Weserbergland fallen mir in den vielen kleinen Orten die alten Fachwerkhäuser auf, die oft reicht verziert sind – soweit dies noch hinter modernen Fassadenelementen zu erkennen ist. Auch über das Fachwerk staune ich oft. Scheinen doch einige der Balken und Streben nicht nur der Stabilität des Hauses zu dienen. Mitunter lassen sich Runen und ganze Figuren erkennen, wie etwa der Wilde Mann, der Lebensbaum und die Große Mutter.  

 

Fachwerkhäuser, die vor 150 Jahre und älter sind, sind oft noch von einem Geist beseelt, der uns heute fremd erscheint. Die Bildersprache ist reich an Sonnensymbolen und geht bis in die Megalithkultur (Steinzeit) zurück. Sogar mancher Sinnspruch steckt hinter den Balken – wie ein Bote aus vergangener Zeit. Der keltische Lichtgott Bel (oder Bal, siehe Beltane = 1. Mai-Feiertag) steht Pate für den Bal-ken, der auch Visierholz bei den Kreisgrabenanlagen der Kelten war. In Westfalen ist der Pfahl, der Balken, der das Himmelszelt trägt.Die Redewendung “Drei Kreuze machen“ geht ebenfalls auf alte Mythen zurück und zeigt sich als gekreuzte Balken in Fachwerkhäusern: XXX. Damit soll das Bekreuzigungsritual der Katholiken beim Dankesgebet gemeint sein, was ich nicht glaube, denn dieses Kreuz würde wohl so aussehen: +++ – Wenn jemand sagt, er mache „drei Kreuze“, meint er damit im allgemeinen, dass er froh ist, etwas unbeschadet überstanden zu haben. Die Kreuze im Fachwerk einiger Bauernhäuser spielen auf die drei Heiligen Frauen an. Sie sind je nach Region bekannt als die 3 Beten oder auch die 3 Disen – Vertreterinnen eines alten steinzeitlichen Mutterkultes, der im Volksglauben auch das Christentum überlebt hat. Die am häufigsten auftretenden Formen sind Einbeth, Warbeth und Wilbeth – regional finden sich aber weitere Varianten. Von Warbeth soll die Stadt Worms ihren Namen haben. Eine Darstellung der drei Heiligen Frauen ist im Wormser Dom zu sehen. Bei den Germanen saßen die 3 Nornen am Fuße des Weltenbaums und hielten dort die Schicksalsfäden in ihren Händen – weshalb es wichtig war, ab und an dreimal auf Holz zu klopfen, wenn eine Sache gerade noch einmal gut gegangen war. Die Urform des Malzeichens X könnte eine abstrakte Darstellung zweier Dreiecke sein, die den Oberkörper und den Unterkörper einer Frau zeigen. Wenn sich bei den Dreiecken die Spitzen berühren, entsteht das Malkreuz. In den Fachwerken wird es oft fälschlich als Andreaskreuz bezeichnet, ebenso als Markierung auf Wanderwegen. Zu einem Thingplatz, dem Gerichts- und Versammlungsplatz der Germanen, gehörte ein Baum mit einem Malkreuz. Das Malzeichen war ein in der Jungsteinzeit weit verbreitetes Symbol der Muttergottheit. Die vielen Malkreuze in den Fachwerkbauten sind also eine Verneigung vor der Großen Mutter. Selbst als Rune Gebo macht das X Sinn: Gebo steht für die Harmonie und das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen.

 

Sogar der Grundriss der Bauernhäuser folgte alten Längenmaßen. Grundlage waren der megalithische Schritt (0,84 m) und die heilige Zahl 16 (2×8). Gerade im Weserraum entspricht die Breite eines Bauernhauses häufig 16 Megalitische Schritte (16 x 0,84 m = 13,44 m). Auch sonst folgen die Abmaße dieser einer alten Kreisgeometrie, dies es den Zimmerleuten ermöglichte ohne Bauplan vorzugehen. Das Vorhandensein des megalithischen Schrittes und heiliger Zahlen zeigt eine Kontinuität zwischen der Megalithzeit und Fachwerkbauten. Der megalithische Schritt findet sich auch in der Höhenkapelle der Externsteine und markiert dort genau die Höhe des Sockels vor dem Visierloch.

 

Ein für die Fachwerkbauten besonders typisches und schönes Schmuckelement ist das der sogenannten Rosetten oder Palmetten. Für die Bauernkultur unserer Vorfahren war die Sonne noch mehr als für uns heute lebensnotwendig. Es verwundert daher nicht, dass sie in vielen Varianten an den Bauernhäusern und denen der Ackerbürger erscheint. Die aufgehenden oder untergehenden Sonnen am Horizont wurden am Endpunkt verschiedener Kalendervisuren als halbierte Sonnen in der Form gesehen, in der sie an den Gebäuden neben einander erscheinen. Eine weitere Darstellungsart der Sonne sind die Sonnenwirbel. Die Strahlen sind hier nicht gerade dargestellt, sondern sinusförmig gebogen. Die Sonne scheint selbst zu rotieren. .Diese gekreuzten S-förmigen Heilszeichen ergeben in eckiger Schreibweise das bei uns heute wegen des Missbrauchs in der NS-Zeit verbotene Hakenkreuz, welches jahrtausendelang das Symbol der Sonne war und als Swastika im Hinduismus und in anderen Kulturen noch heute ist.

 

Die Grundform dieses Heilszeichens besteht aus zwei kleinen Kreisen oder Kugeln, die durch einen Vertikalstrich miteinander verbunden sind. Das Zeichen bedeutet, dass der Sonnenschein, die Kraft oder die Gnade, von oben kommt. Beim Fehlen des Vertikalstriches rücken die Kreise aneinander, sodass sich eine 8 ergibt. Eine Weiterbildung der 8 ist das S. Dieses Symbol kann auch spiegelbildlich erscheinen oder liegend dargestellt werden. Kreuzen sich zwei S-Zeichen, dann soll die Symbolwirkung verstärkt werden. Diese Form ist der Vorläufer des Hakenkreuzes. und die heilige Zahl 16. Der megalithische Schritt findet sich unter anderem in der Höhenkapelle der Externsteine. Die Zahl 16 entspringt einer Kreisteilung und ist sicher eine heilige Zahl in der Zeit der Gestirnsreligion gewesen. Dazu gehören die Zahlen 8 und 32. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist es aber, dass der Kalender der Megalithzeit 16 Monate aufwies. Teilt man den Weg der aufgehenden oder untergehenden Sonne am Horizont in 8 Abschnitte, dann durchläuft die Sonne im Verlauf des Jahres 16 Monatsbereiche. (Quelle: Prof. Norbert Rikus, Höxter)

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