Das Wissen der Ahnen: Junge Krieger lernen Sanftmut

Der Hirsch ist in vielen Religionen das Symbol für den Jahreslauf der Sonne, der sich in den Stadien der Geweihbildung wiederspiegelt. In den alten Stammeskulturen ist der Hirschgott ebenfalls verkörpert. Im Schamanismus ist der Hirsch, meistens als weißer Hirsch, das Reittier in die Anderswelt. Auch im Süntel (Wesergebirge) gibt es eine Sage von einem  Weißen Hirsch:  Ein Hirte, der an jenem Berge seine Kühe weiden ließ, mußte mit ansehen, wie ihm der Zauberhirsch sein bestes Rind von der Weide holte. Es sollte nämlich mit seiner Milch das weiße Hirschkalb ernähren, das der Hirsch in seinem Gehege aufzog. Der Kuhhirte schlich sich an jenes Waldstück heran und sah, wie das Kälbchen am Euter seiner Kuh die Milch sog, welche doch ihm gehörte. Er wollte also das Jungtier fangen und wegführen. Da trat aus dem Dickicht ein langer, hagerer Mann mit eisgrauen Haaren, der trug ein schwarzes Totenhemd am Leibe; das war mit roten Schleifen künstlich verknöpft. Seine Rechte zückte ein goldenes Schwert, die Linke ein goldenes Horn. Und wo er sein Schwert schwang, schlug aus dem Himmel ein Blitz, und wo er sein Horn bließ, rollte ein Donnerwind. Der packte den Hirten bei allen Gliedern und warf ihn auf seine Herde zurück. Für unseren Kulturraum zeigt die keltische Gottheit Cernunnos die Verbundenheit zum Hirsch. Die berühmte Abbildung des Gottes  auf dem „Kessel von Gundestrup“ zeigt den Gehörnten in einer Gruppe von Tieren sitzend mit einem Hirschen rechts und einem Wolf links. Der Kessel wurde 1891 in Nordjütland (Dänemark) gefunden und stammt aus dem 1. oder 2. Jahrhundert. Cernunnos sitzt zwischen diesen beiden Tieren, die für das Leben (Hirsch) und für Tod und Vernichtung (Wolf) stehen. Cernunnos zwischen den beiden Tieren vermittelt zwischen Tod und Auferstehung. Die Geschichte hält vieler solcher Beispiele bereit, darunter sogar Hirsche, die ein Kreuz in der Mitte ihres Geweihs tragen – wie heute noch in der Jägermeister-Werbung. Hirsche sind bei vielen Heiligen als Begleiter zu finden, besonders beim Heiligen Hubertus im 8. Jahrhundert. Er ist bis heute Schutzheiliger der Jäger.
Die Cherusker, die früher zwischen Harz und Weser siedeln, sind auch als Hirschleute bekannt. Der Hirsch mit seinem Geweih verkörpert den Sonnenaspekt des Jahres in drei Phasen: das volle Geweih zur Brunftzeit, der Abwurf der Stangen im Winter und das Schieben des neuen Geweihs, geschützt von einer Basthaut.  Ebenfalls aus Dänemark stammt der Sonnenwagen von Trundholm. Die rund 3500 Jahre alte Skulptur zeigt ein Pferd, das den Sonnenwagen über das Fimamant zieht. Nachts wird die Sonne diere Vorstellung nach von einer Barke über das Urmeer wieder zum Punkt des Sonnenaufgangs gebracht.
Wir wissen nichts mehr über die Lebensweise unserer Ahnen. Antworten finden wir bei den Waldlandindianern im Süden der USA. Dort spiegelt der Hirsch die Entwicklung des Mannes wieder. „Unsere Männer müssen ihre wahre Stellung als friedliche Krieger der Herzen zurückerobern“, sagt die Cherokee Medizinfrau Sweet Medicine Nation: Dazu gehen sie durch Zyklen, doch nicht alle schaffen es bis zum Hirsch-Mann. Immer mehr junge Männer würden in einer Art Heiliger Kindheit verharren.
Traditionell müssen die Teenager ihres Stammes eine Mutprobe bestehen, um ein Mann zu sein: Sie müssen die Sonne einfangen, das Feuer zähmen, ohne Schlaf und Essen auskommen. Um hier zu bestehen, brauchst du aber keine Menschen töten. Es geht um vier Prinzipien, die die jungen Cherokee-Männer anwenden müssen.

  • Sanftmut
  • Freundlichkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Großzügigkeit

Die Aufgabe der Jungen besteht darin zu lernen, was es buchstäblich heißt sanft wie ein „Gentleman“ zu sein. Dies hat vor allem etwas mit Achtsamkeit und Empfindsamkeit zu tun. Beides lässt sich am besten in der freien Natur trainieren: Feuer, Eis und Hitze zu erleben, in kaltes Wasser zu tauchen, Pflanzen auf der nackten Haut zu spüren, nackt auf dem Boden zu liegen. All diese Sachen tut der junge Prinz aus seiner Sanftheit heraus. Er verbindet die Kräfte der Natur nicht länger mit Negativität, sondern mit Liebe. Er wird seine Kraft aus der Natur erhalten um ein Hirsch-Mann zu werden, ein Jäger der „sein Wild“  in- und auswendig kennt. In dieser Zeit muss er den Hirsch verfolgen, seine Spur, ihn sehen, in den Träumen spüren, ihn berühren. Das alles braucht Jahres des Trainings.
Um ein Ritter zu werden lernen die jungen Cherokee-Krieger, dass die Zunge ihre erste und schrecklichste Waffe ist. Sie lernen, ihre Worte weise zu wählen. Sie sollen mit ihren Worten andere nähren, sie nicht verletzen. Sie lernen die Jagd auf Tiere als Akt der Höflichkeit zu begreifen, weil sie dadurch Nahrung zu ihren Leuten bringen.
Sweet Medicine Nation: „Normalerweise wollen Jungs sehen, wie sie das Ziel treffen und es umhauen. Sie sehen nicht das Licht, das Leben das sie dabei nehmen. Deshalb müssen sie lernen, nicht aus Spaß zu töten.“
Eine weitere Aufgabe für die jungen Krieger ist es sie lernen, den Stamm zu beschützen. Sie werden Assistenten ihrer älteren Brüder, die schon Krieger sind. Sie bieten den Alten von sich aus ihre Hilfe an. Damit werden sie zu Prinzen des Waldes.
All dies wird heute kaum noch praktiziert. Selbst viele junge Cherokee sitzen lieber an der Playstation als imm Wald. Ein Lehrer hier in Deutschland berichtet mir dazu, wie er manchmal hilflos vor dem Versuch steht, mit den Schülern in die Natur zu gehen: „Iiih, wie eklig, hört er dann oft von den Jungs, wenn der Weg matschig ist und einer will partout nicht weitergehen, weil die Sneakers dreckig werden könnten.Das Wissen der Ahnen: Junge Krieger lernen Sanftmut

Der Hirsch ist in vielen Religionen das Symbol für den Jahreslauf der Sonne, der sich in den Stadien der Geweihbildung wiederspiegelt. In den alten Stammeskulturen ist der Hirschgott ebenfalls verkörpert. Im Schamanismus ist der Hirsch, meistens als weißer Hirsch, das Reittier in die Anderswelt. Auch im Süntel (Wesergebirge) gibt es eine Sage von einem  Weißen Hirsch:  Ein Hirte, der an jenem Berge seine Kühe weiden ließ, mußte mit ansehen, wie ihm der Zauberhirsch sein bestes Rind von der Weide holte. Es sollte nämlich mit seiner Milch das weiße Hirschkalb ernähren, das der Hirsch in seinem Gehege aufzog. Der Kuhhirte schlich sich an jenes Waldstück heran und sah, wie das Kälbchen am Euter seiner Kuh die Milch sog, welche doch ihm gehörte. Er wollte also das Jungtier fangen und wegführen. Da trat aus dem Dickicht ein langer, hagerer Mann mit eisgrauen Haaren, der trug ein schwarzes Totenhemd am Leibe; das war mit roten Schleifen künstlich verknöpft. Seine Rechte zückte ein goldenes Schwert, die Linke ein goldenes Horn. Und wo er sein Schwert schwang, schlug aus dem Himmel ein Blitz, und wo er sein Horn bließ, rollte ein Donnerwind. Der packte den Hirten bei allen Gliedern und warf ihn auf seine Herde zurück. Für unseren Kulturraum zeigt die keltische Gottheit Cernunnos die Verbundenheit zum Hirsch. Die berühmte Abbildung des Gottes  auf dem „Kessel von Gundestrup“ zeigt den Gehörnten in einer Gruppe von Tieren sitzend mit einem Hirschen rechts und einem Wolf links. Der Kessel wurde 1891 in Nordjütland (Dänemark) gefunden und stammt aus dem 1. oder 2. Jahrhundert. Cernunnos sitzt zwischen diesen beiden Tieren, die für das Leben (Hirsch) und für Tod und Vernichtung (Wolf) stehen. Cernunnos zwischen den beiden Tieren vermittelt zwischen Tod und Auferstehung. Die Geschichte hält vieler solcher Beispiele bereit, darunter sogar Hirsche, die ein Kreuz in der Mitte ihres Geweihs tragen – wie heute noch in der Jägermeister-Werbung. Hirsche sind bei vielen Heiligen als Begleiter zu finden, besonders beim Heiligen Hubertus im 8. Jahrhundert. Er ist bis heute Schutzheiliger der Jäger.
Die Cherusker, die früher zwischen Harz und Weser siedeln, sind auch als Hirschleute bekannt. Der Hirsch mit seinem Geweih verkörpert den Sonnenaspekt des Jahres in drei Phasen: das volle Geweih zur Brunftzeit, der Abwurf der Stangen im Winter und das Schieben des neuen Geweihs, geschützt von einer Basthaut.  Ebenfalls aus Dänemark stammt der Sonnenwagen von Trundholm. Die rund 3500 Jahre alte Skulptur zeigt ein Pferd, das den Sonnenwagen über das Fimamant zieht. Nachts wird die Sonne diere Vorstellung nach von einer Barke über das Urmeer wieder zum Punkt des Sonnenaufgangs gebracht.
Wir wissen nichts mehr über die Lebensweise unserer Ahnen. Antworten finden wir bei den Waldlandindianern im Süden der USA. Dort spiegelt der Hirsch die Entwicklung des Mannes wieder. „Unsere Männer müssen ihre wahre Stellung als friedliche Krieger der Herzen zurückerobern“, sagt die Cherokee Medizinfrau Sweet Medicine Nation: Dazu gehen sie durch Zyklen, doch nicht alle schaffen es bis zum Hirsch-Mann. Immer mehr junge Männer würden in einer Art Heiliger Kindheit verharren.
Traditionell müssen die Teenager ihres Stammes eine Mutprobe bestehen, um ein Mann zu sein: Sie müssen die Sonne einfangen, das Feuer zähmen, ohne Schlaf und Essen auskommen. Um hier zu bestehen, brauchst du aber keine Menschen töten. Es geht um vier Prinzipien, die die jungen Cherokee-Männer anwenden müssen.

  • Sanftmut
  • Freundlichkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Großzügigkeit

Die Aufgabe der Jungen besteht darin zu lernen, was es buchstäblich heißt sanft wie ein „Gentleman“ zu sein. Dies hat vor allem etwas mit Achtsamkeit und Empfindsamkeit zu tun. Beides lässt sich am besten in der freien Natur trainieren: Feuer, Eis und Hitze zu erleben, in kaltes Wasser zu tauchen, Pflanzen auf der nackten Haut zu spüren, nackt auf dem Boden zu liegen. All diese Sachen tut der junge Prinz aus seiner Sanftheit heraus. Er verbindet die Kräfte der Natur nicht länger mit Negativität, sondern mit Liebe. Er wird seine Kraft aus der Natur erhalten um ein Hirsch-Mann zu werden, ein Jäger der „sein Wild“  in- und auswendig kennt. In dieser Zeit muss er den Hirsch verfolgen, seine Spur, ihn sehen, in den Träumen spüren, ihn berühren. Das alles braucht Jahres des Trainings.
Um ein Ritter zu werden lernen die jungen Cherokee-Krieger, dass die Zunge ihre erste und schrecklichste Waffe ist. Sie lernen, ihre Worte weise zu wählen. Sie sollen mit ihren Worten andere nähren, sie nicht verletzen. Sie lernen die Jagd auf Tiere als Akt der Höflichkeit zu begreifen, weil sie dadurch Nahrung zu ihren Leuten bringen.
Sweet Medicine Nation: „Normalerweise wollen Jungs sehen, wie sie das Ziel treffen und es umhauen. Sie sehen nicht das Licht, das Leben das sie dabei nehmen. Deshalb müssen sie lernen, nicht aus Spaß zu töten.“
Eine weitere Aufgabe für die jungen Krieger ist es sie lernen, den Stamm zu beschützen. Sie werden Assistenten ihrer älteren Brüder, die schon Krieger sind. Sie bieten den Alten von sich aus ihre Hilfe an. Damit werden sie zu Prinzen des Waldes.
All dies wird heute kaum noch praktiziert. Selbst viele junge Cherokee sitzen lieber an der Playstation als imm Wald. Ein Lehrer hier in Deutschland berichtet mir dazu, wie er manchmal hilflos vor dem Versuch steht, mit den Schülern in die Natur zu gehen: „Iiih, wie eklig, hört er dann oft von den Jungs, wenn der Weg matschig ist und einer will partout nicht weitergehen, weil die Sneakers dreckig werden könnten.

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