Wichtiges Hilfsmittel zur Bestimmung der Festtage sind die schon vor Jahrtausenden eingeführten Kalender. Sie zeigen, wann sich die kosmischen Kräfte zeigen und erneuern.
Für die Festsetzung der Termine gibt es drei Bezugspunkte:
1) Der Sonnenzyklus: Er bestimmt die Jahreszeiten mit allem was dazugehört
2) Der Mondzyklus: Er regelt die Fruchtbarkeit und andere biologische Perioden. Außerdem ist er auch für Wetterphänomene verantwortlich.
3) Die 7 Wochentage (und 7 Töne in der Musik)

Am Beispiel des Osterfestes wird deutlich, dass bei dem jährlich wechselnden Termin des Frühlingsfestes alle drei Punkte eine Rolle spielen.
Ostern ist nämlich immer am 1. Sonntag (Wochentag) nach dem ersten Vollmond (Mondzyklus), der der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche (Sonnenzyklus) folgt. Verstanden? Frühlingsanfang ist am 20. März, am 28. März steht der Frühlingsmond voll am Himmel. Ostern ist am ersten Sonntag danach, in diesem Jahr also am 4. April.
Nach dem Osterfest richten sich dann die nachfolgenden, beweglichen christlichen Feiertage, deren Wurzeln ebenfalls viel weiter zurückreichen. Dabei spielen vor allem die Zahlen 7, 40 und 50 eine Rolle.
Schon die Fastenzeit vor der Osterwoche beträgt 40 Tage und drückt symbolisch das Sterben aus, um wiedergeboren zu werden. Auch dieses gab es schon in vorchristlicher Zeit. Die Fastenzeit diente als Vorbereitung auf das Taufritual in der Osternacht.
Über Ostern und seinen heidnischen Hintergrund hatte ich in meinem Rundbrief vor einem Jahr ausführlich geschrieben. Das heidnische Frühlingsfest trägt ja sogar den Namen der Frühlingsgöttin Ostara. Sie steht für die Erneuerung der Natur und die Rückkehr des Lebens – aus dem scheinbaren Tod des Winters heraus. Gefeiert wurde eine ganze Woche lang. Die Heilige Woche (Semana Santa) dauert noch heute von Palmsonntag bis Ostersonntag.
Genau 40 Tage nach Ostern (Auferstehung) folgt Himmelfahrt. Die alten Ägypter glaubten, dass sich nach 40 Tagen der Geist komplett vom Körper gelöst hat, um in den Himmel aufzusteigen. So lange dauerte  auch die Mumifizierung im alten Ägypten.
Immer 50 Tage nach Ostern wird in der Kirche an Pfingsten an das Herabkommen des Heiligen Geistes auf die Apostel gedacht. Ich möchte aber auch hier noch einmal in das alte Ägypten blicken. Dort begann um Ostern herum eine Trockenheit (Wetterphänomen, siehe Punkt 3 oben): 50 Tage wehten heiße, rötliche Winde von der Wüste über das Niltal: Vom Osterlichtsonntag bis zum weißen Pfingst-Sonntag  (englisch: Whitsunday) dauerten die 50 roten Tage. Das Ende wurde mit einem Stieropfer gefeiert, der symbolisch sein Leben für das Überleben der Gemeinschaft geben musste. Die zahlreichen Pfingstanger bei uns sind vermutlich sehr alte Kultplätze und haben mit dem christlichen Pfingsten nichts zu tun. In meiner Heimatgemeinde gab es im Dorf Meitze noch im frühen vergangenen Jahrhundert ein Bullenstoßen. Dies war eine Art nordischer Stierkampf an Pfingsten.
Pfingsten stünde damit also für ein Wetterphänomen der Trockenheit, dem die Ägypter auch den Gott Seth zuordneten. Der Legende nach tötete Seth seinen Bruder Osiris, der wiederum für das Feuchte und Fruchtbare stand.
Der Trockenheit folgte die Nilschwemme, der eine ebenfalls 50-tägige Regenzeit im Quellgebiet des Flusses in Äthiopien vorausging. Die Tränen der Isis brachten den Nil zum Überlaufen. Die letzte Träne der Isis markierte den höchsten Flutstand am 15. August. Aus dem Fest Unserer lieben Frau Myriam wurde Maria Himmelfahrt.
Der Geburtstag der Isis (und auch Marias) wurde am 8. September gefeiert. 40 Tage später wurde das Ägytische  Planzfest gefeiert und wiederum 40 Tage später besiegelten Abendmahl und Verrat den Tod des Osiris. Dieses Ereignis wurde auf den 27. November gelegt. Dem Tod des Osiris folgen vier Wochen á 7 Tage bis zur Geburt des neuen Königs am 25. Dezember. Diese Zeit von 28 Tagen ist auch als Advent bekannt. Wie üblich dauerte die Feier eine Woche und endete mit dem Neujahrstag am 1, Januar. Während die Westkirche dem Julianischen und dann dem Gregorianischen Kalender folgt, blieb die orthodoxe Ostkirche bei alten Ägyptischen Zählmaß, zwischen beiden besteht eine Diskrepanz von 13 Tagen. Oisris starb am 27. November. 40 Tage dauert es, bis seine Seele sich vollständig gelöst hat. Dann landen wir auf dem 6. Januar, das Fest der Heiligen Drei Könige. Sie sind gekommen um den neuen König zu begrüßen: Der König ist tot, es lebe der König.

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