Was wir von den Ahnen wissen,  verraten uns ihre Gräber. Die Spuren sind überall: In der Rothesteinhöhle im Ith, die wir im August mit einer Männergruppe besuchten, wurden Ende des 19. Jahrhundert die Überreste von 19 Kindern, zwei Jugendlichen und 23 Erwachsenen gefunden.  Sie stammen aus der frühen Bronzezeit (ca. 2300 bis 1600/1500 vuZ.). Aus der Zeit stammt auch die Himmelsscheibe von Nebra (heute Sachsen-Anhalt). Mit ihrer Hilfe konnte das Mondjahr mit 354 Tagen mit dem Sonnenjahr mit 365 Tagen synchronisiert werden. Das war wichtig für die Bauernkulturen. Wer die Sterne die Aussaatzeiten berechnen konnte, dem gehörte das Land. Heute genügt der Blick auf die Wetter-App, in jeden Haushalt gibt es heute mehr Uhren, als noch im Mittelalter im gesamten Königreich. Nahe Nebra wurde ab 1991 das Sonnenobservatorium Goseck originalgetreu wieder aufgebaut. Das sogar 7000 Jahre alte Heiligtum konnte ich am Morgen der Tag- und Nachtgleiche am 21. September diesen Jahres bewundern.

Am Tag der Wintersonnenwende, der längsten Nacht des Jahres, kann man dort beobachten, wie im Südwesttor der Kreisgrabenanlage die Sonne untergeht. Bei weiteren Ausgrabungen wurden in drei Erdgruben Menschenknochen gefunden. Sie waren sorgfältig bearbeitet worden, das Fleisch von den Knochen abgeschabt. Das könnte für Menschenopfer sprechen – oder für spezielle Begräbnisrituale.

Auch an der Kreisgrabenanlage Pömmelte an der Elbe (südlich von Magdeburg) lassen Knochenfunde auf grausig anmutende Bestattungs- und Opferriten schließen. Das rund 4000 Jahre Ringheiligtum hat sich den Ruf als Stonehenge  aus Holz erworben, ein Woodhenge sozusagen.  Wer all diese Stätten besuchen möchte, folgt am besten den „Himmelswegen“, Infos dazu gibt es Unter www.himmelswege.de.

Ende September habe ich diese Orte besucht und war sehr angetan von dem alten Wissen, dass durch die Ausgrabungen zu Tage gefördert wurde. Die Strukturen der kreisrunden Palisaden waren auch nach Jahrtausenden noch aus der Luft zu erkennen, obwohl das Holz schon lange verfault ist.Die Anlagen zeigen nicht nur die wichtigen Jahresfeste an. Noch heute ist spürbar, dass dies wichtige Kultplätze für die jeweiligen Gemeinschaften waren.

Dennoch blieb ein Gefühl von Unbehagen. Die Großsteingräber der Steinzeit dienten als Begräbnisstätte einer Sippe. Die Bronzezeit brachte nicht nur Metalle auf den Plan. Auf einmal wurden die Anführer oder Priester in zum Teil riesigen Grabhügeln bestattet, den sogenannten Fürstengräbern. Diese enthielten reiche Grabbeigaben, was auf die Stellung der dort Bestatteten schließen lässt.

Der Mensch begann sich die Erde untertan zu machen. Der Preis: Der Kampf ums Land und um die Macht hat sich wie ein Flächenbrand über die Erde ausgebreitet. Macht und Reichtum  ist ungleich verteilt. Damals wie heute.

Tote wurden in Höckerstellung wie Babies begraben.  Baumsärge sowie Körper- und Urnenbestattungen lösten einander ab.  Die Felsgrotten an den Externsteinen (bei Detmold) dienten vermutlich als Krematorium. Einige Verstorbene wurden von weit hergebracht., über die Helwege, um bei den „Egge-Stern-Steinen (Externsteine)“ eingeäschert zu werden.

Spätestens die Christen kehrten zur Körperbestattung zurück. Die Toten wurden rund um die neu errichteten Kirchen bestattet, die häufig auf alten Kultplätzen errichtet wurden. Mit zunehmender Platzknappheit wanderten die Friedhöfe vor die Stadtgrenze.

Erst seit wenigen Jahren liegt die Urnenbestattung in der Gunst der Bevölkerung wieder vorne. Mit dazu beigetragen haben sicher hohe Unterhaltungskosten der Grabstätten und eine zunehmende Auflösung alter Familienstrukturen. Die Friedwälder und Ruheforsten tun ihr übriges und fördern auch im Tot ein zurück zur Natur: mit biologisch abbaubarer Urne.

Der Ruheforst in den Wäldern der Familie Knigge im Deister erfreut sich größer Beliebtheit. Bis zu 12 Urnen  finden unter den großen Buchen und Eichen des Wald-Friedhofs Platz. Auf dem Gelände gibt es auch alte bronzezeitliche Grabhügel. Insgesamt rund 90 solcher Grabhügel sind in den Höhenzug südlich von Hannover nachgewiesen worden. Mit dem Ruheforst schließt sich dort ein Jahrtausende alter Kreis.

Die Kirche hat kaum noch Einfluss darauf, was wir glauben. Ungesunder Wettbewerb, Gewalt und Kriege der zurückliegenden Jahrtausende stecken uns buchstäblich in den Knochen. Allein die Wunden des vergangenen Jahrhunderts, von unseren Eltern und Großeltern persönlich erfahren,  drängen nun ans Licht: Sie zeigen sich in unseren Ängsten und ungelebten Freuden.

Unsere Heilung ist ihre Heilung und ihre Heilung macht uns gesund. Vergebung und bedingungslose Liebe sind der Schlüsse zum Himmel – nicht Auge um Auge. Seit einiger Zeit träume ich einen anderen Tod. Ich liege weder im Sarg, noch als Ascherest in einer Urne. Auf einem Holzgestell in den Bergen liegt ein Fell und mein Poncho.  Darauf liegt mein Leichnam. Auf meinem zerfurchten Gesicht, Wind und Sonne ausgesetzt, zeichnet sich ein Lächeln ab,  als die ersten Geier am Himmel kreisen. Ihnen sei mein Körper Nahrung, während mein Geist zu den heiligen Bergen geht.  Und die Seele?  Himmelstänzer begleiten mich zum himmlischen Tor: wieder zu Hause.

Göttin Hel und der Fliegende Holländer

Die Milchstraße wird bei vielen Völkern als ein Weg der Seelen ins Reich der Ahnen betrachtet. In der Überlieferung wird die Milchstraße auch  ”Hildenstraße” oder ”Helweg“ genannt, in holländischen Sagen hieß die Milchstraße auch ”Vrouw Eldenstraat”
(Frau Eldenstraße). Diese Vrouw Elden ist wohl mit unserer Frau Holle oder Hel identisch.
Helwege gab es auch auf Erden. Diese Totenwege führten in Westfalen unter anderem zu den Externsteinen.
Wer sich von dort über die nahe gelegene Lippe zum Rhein und den Rheinarmen nach Westen folgt, gelangt zum „Westtor“, der Scheldemünung in die Nordsee. Dort im Westen geht nicht nur die Sonne unter, dort treibt auch das umheimliche Totenschiff „Der fliegende Holländer“ vor der Küste. Auf dem Rhein begegnet uns auch eine weitere Sagengestalt: Der Schwanenritter Lohengrin, Sohn des Gralsritters Parzival. Der Schwan gilt als Begleiter der Seele in die Anderswelt  und ist auch ein Symbol für den Tod, dem allerdings ein Neuanfang folgt. Noch heute wird der letzte Auftritt eines Sängers als „Schwanengesang“ bezeichnet.
Im August konnte ich im dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen den Sonnenwagen von Trundholm sehen. Der Wagen steht sinnbildlich für den Lauf der Sonne am Tag, während in der Nacht ein Schiff die untergegangene Sonne wieder zum Aufgangspunkt im Osten bringt. So eine Barke ist auch auf der berühmten Himmelscheibe von Nebra  zu sehen.  

BAR: Von der Geburt bis zur Toten-Bahre

Leben und Tod gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille. Wie in den Mythen die Sonne nachts von einem Boot  zu ihrem Aufgangspunkt gezogen wird, so steht nimmt auch die Seele ihren Weg von einem (körperlichen) Leben zum nächsten. Sinnbildlich steht hierfür die Barke, ein mastloses Boot, das ich jetzt bei einer Ägyptenreise auf Wänden von Gräbern und Tempeln sehen konnte.
Der Wortstamm bar steht für Werden, Sein und Vergehen: Von der Geburt bis zur Toten-Bahre. Die Griechen nannten die Völker des Nordens Barbaren – angeblich weil deren Sprache sich genauso anhörte. Es könnte aber genausogut „Die Wiedergeborenen“ heißen (3 x Bar = Zeugung Geburt und Tod).
Im tibetischen Buddhhismus werden die Stationen des Lebens Bardos genannt. Interresannt sind hier vor allem die Zwischenwelten, in denenn die Seelen auf ihrem Weg ins Licht mitunter gehalten werden. Dies passiert wohl dann, wenn der Verstorbene aufgrund seines Todes oder seiner Lebenstaten noch sehr erdgebunden ist und die Seele sich nicht lösen kann.
Auch im Runenalphabet offen-bart uns die Bar-Rune das Konzept der Wiedergeburt.
Dieses Konzept  war unseren Vorfahren nicht nur Glaube, sondern ein Wissen aus der seherischen Erfahrung. Die Bar-Rune ist auch als Berkana bekannt und ähnelt dem B in unserem Alphabet.

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