Die Brennnessel erweitert unser Bewusstsein. Sie treibt uns allerdings nicht in geisterhafte Dimensionen. Durch ihr Stechen und Brennen katapultiert sie uns aus den Geisterwelten unserer Gedanken zurück ins Hier und Jetzt. Der wissenschaftliche Name Urtica bedeutet brennen.

In den vergangenen Jahren ist die Brennnessel ein beliebtes Wildgemüse geworden. Sie ist auch eine der stärksten Heilpflanzen unter den heimischen Wildkräutern. Sie wirkt vor allem blutreinigend, entgiftend, entschlackend und harntreibend und kann unter anderem bei Allergien, Durchblutungsstörungen, Ekzemen, Haarausfall, Rheuma und Problemen mit Harnwegen, Magen, Nieren, Galle, Leber und Milz helfen. Die Samen, die noch bis November geerntet werden können, sind ein Superfood, dass sich hinter den vielen Importprodukten nicht verstecken braucht.

In prallen Stauden herabhängend sind Samen jetzt im Spätsommer leicht zu ernten und weiterzuverarbeiten. Sie enthalten viel Eiweiß, essentielle Fettsäuren und wirken stärkend und auch leicht aphrodisierend. Die trockenen Samen eignen sich als schmackhafte und gesunde Beigabe zu vielen Speisen. Sie schmecken leicht nussig und  können auch in Smoothies verwendet werden.

Hier soll es nun aber mehr um die mythische Wurzel der Nessel gehen, die uns schon in dem Nesselberg begegnet ist, von dem bei den Rosenorten die Rede war. Noch heute ziert das Nesselblatt das Wappen des Landkreises Schaumburg.

Im Althochdeutschen (750 bis 1100) hieß die Nessel noch „Nezzila“. Das Wort „Nessel“ lässt sich zurückverfolgen bis in die Steinzeit. Schon die Kelten kannten das Wort „Ned“, das zusammendrehen, knüpfen bedeutet. Es weist auf die uralte Verwendung der Nessel hin. Die Brennnessel liefert wie Hanf und Lein eine gute Faser, die bei der Herstellung von Nesseltuch Verwendung fand. Die Wurzel des Wortstammes „ne“ findet sich in Worten wie Netz, nähen, Naht, Nadel. Schon in der Altsteinzeit wurden aus den Fasern der Nessel Stricke, Reusen und Netze hergestellt.

Das Märchen  „Die sechs Schwäne“ handelt von 6 Königssöhnen, die  von der bösen Schwiegermutter in Schwäne verwandelt werden. Schwäne gelten als Zwischenwesen, die auch Teil der Anderswelt sind. Die Brüder werden erlöst, als ihre Schwester für jeden von ihnen ein Hemd aus Nesselstoff  (Sternenblumen) näht, die sie wieder  ganz ins Dasein zurückbringen.

Brennesseln brennen nicht immer. Wer sich traut kann es auch ohne Handschuhe versuchen und muss nicht zwangsläufig mit Quaddeln im Anschluss rechnen. So geht’s: Die Blätter von unten nach oben streichend pflücken. Einmal mit einem Nudelholz oder ähnlichem über die Nesseln walzen oder sie in warmes Wasser legen, in ein Tuch packen und auswringen. Durch diese Behandlungen brechen die Härchen und die Flüssigkeit tritt aus und Sie können die Brennnessel schmerzfrei essen.

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